Kamezi* Lanzarote

Kanaren vom ersten Teller bis zum letzten Weinglas

Lanzarote, du schwarze Insel
Anfang April war ich zum zweiten Mal auf Lanzarote. Der Grund, einen zweiten Besuch zu wagen, entsprang nicht etwa der Begeisterung für bergiges, graues Land oder Flora die nur aus Kakteen besteht. Das war nämlich mein Eindruck beim ersten Besuch. Manchmal ist es eben doch die Gesellschaft, die Gesamtsituation oder die persönliche Situation die bestimmen, ob ein Urlaub als gelungen verbucht wird oder nicht. Die Sterne standen besser beim zweiten Besuch, und mein Herz konnte sich der Insel öffnen. Und mein Gott, kam viel Gutes herein.

Wo mir beim ersten Besuch nur hügeliges Nichts in Erinnerung blieb, war ich diesmal offen für die diverse Landschaft. Jede Himmelsrichtung ist anders beschaffen, oben auf dem Berg ist es anders als am Strand, das staubige Gelände um den Nationalpark Timanfaya war nun beladen von Geschichte und der immsensen Gewalt von Lavaströmen und Winden. Die Kakteen hatten plötzlich Blüten und Kaktusfeigen und der Strand war auch nicht mehr nur hart unter den Füßen sondern muschelerfüllt, warm, mal steinig, mal sandig und vor allem führt er in herrliches, salziges Meerwasser.

Restaurant Kamezi
Inmitten dieser nun sehr idyllisch anmutenden Umgebung besuchten wir ein Restaurant, welches sich allein der Diversität von Flora und Fauna der Kanaren bedient. KAMEZI. Gelegen innerhalb der Kamezi Boutique Villa Anlage, mit Blick auf – wie sollte es anders sein- Kakteen und das Meer. Um das Restaurant zu finden geht man einmal durch die gesamte Anlage, dann durch einen kleinen Kanarenshop voller liebevoll kuratierter Lebensmittel und befindet sich plötzlich im Restaurant. Die Architektur aus mehreren verzweigten Räumen ermöglicht Privatsphäre und wir saßen ganz hinten im letzten Raum an einem großen Tisch. Unser Service Mitarbeiter war nicht immer ganz sicher im Umgang mit der englischen Sprache, hat es aber durch seine charmante Art wieder wett gemacht und uns einen unvergesslichen Abend beschert.

Sobald wir saßen bekamen wir den ersten Gruß:

Nummer 1: Ein Tomatenschaum, Wassermelonen Granité, rote Paprika und Burgados. Burgados ist das spanische Wort für geschwärzte Kreiselschnecke, eine Meeresschneckenart die im Nordatlantik, um die Kapverdischen Inseln und eben auch bei den Kanaren zu finden ist.

Nummer 2: Ein Tartelette mit Papageienfisch, welcher zunächst nach der Jareado Technik (Quelle) getrocknet und gesalzen und später mit einer Escabeche (einer spanischen Soße aus Essig und Aromaten) mariniert wurde.

Nummer 3: Eine Meeresfrüchte Brühe, die wirklich nichts für schwache Nerven war. Der höchst konzentrierte Geschmack war als Erlebnis spannend, aber nach einem Schluck war auch gut.

Nummer 4: Ein flattriges Brot mit einer Fisch Sobrassada. Ursprünglich ist eine Sobrassada eine streichfähige Rohwurst aus Mallorca mit Speck, Paprika und Gewürzen. Aber da in diesem Restaurant der unverkennbare Fokus auf Meeresfrüchten liegt, wurde dort ein Twist eingebaut.

Insgesamt war der Einstieg inklusive hervorragendem Sekt von Fuerteventura eine unmissverständliche Vorhersage was uns in den nächsten 14 (!!!) Gängen erwartet. Und es war zudem auch himmlisch gut.

Jeden einzelnen Gang zu beschreiben wäre nur überfordernd, aber die spannendsten Zutaten und Zubereitungen möchte ich euch nicht vorenthalten:

  1. Gofio: ein traditionelles kanarisches Mehl, welches aus geröstetem Getreide (meist Mais oder Weizen)gemahlen wird. Es wird sowohl herzhaft als auch süß verarbeitet und wurde uns als Porridge gereicht.
  2. La Santa Prawns : Ganz unspektakulär wurden diese Garnelen nach der Stadt La Santa auf Lanzarote benannt. Der Geschmack hingegen ist alles andere als unspektakulär. Noch nie habe ich so weiche, nussige Garnelen probiert. Die Konsistenz erinnerte fast an pâte de fruits und war so delikat und fein, ein Gedicht!
  3. Pinzetten: Neben hervorragendem Essen spielt auch die Präsentation eine maßgebliche Rolle beim Restaurant Besuch. Der Lachsgang war ein Selbstbaukasten: in der Mitte drei Streifen von feinstem geräucherten Lachs der ortsansässigen Firma Ahumaderia de Uga, rechts davon eine Algen-Zitronenbutter, oben Lachskaviar und links etwas Brot. Dazu bekam jeder Gast ein Werkzeugkit bestehend aus Messer, Löffel- und Pinzette! Eine richtige Küchenpinzette um den Lachs auf das Brot zu hieven. Ich liebe sowas, kleine Gimmicks die den Spaß reinholen
  4. Wrackbarsch (span. Cherne): Diese Fischart ist im erweiterten Atlantikraum verbreitet und auf der Liste der gefährdeten Arten, weshalb ich nun nicht dazu aufrufen möchte, ihn zu verspeisen. Jedoch war der Geschmack einzigartig für mich, er schmeckt angebraten sehr fleischähnlich, fast wie Steak. Es könnte an Thunfischsteak erinnern, nur mit mehr Umami Noten.
La Santa Garnelen mit Meeresmayonnaise und Koriander Granité

Ich bin ein großer Fan von Fine Dining Erfahrungen im Ausland. Inmitten neuer Umgebungen kann ich neue Eindrücke viel intensiver wahrnehmen. Die Auswahl an Lebensmitteln ist anders als in Deutschland und kann herausfordernd sein, und genau das liebe ich an der Leidenschaft zum Kochen. Ich werde niemals auslernen, selbst bei banalen Dingen wie Obstsorten wird es imer wieder überraschende Kreuzungen und alte, einheimische Sorten geben. Mit jeder Reise öffnet sich die Tür zu einem neuen Spielfeld.

Kamezi hat uns sehr gefallen. Es ist kreativ, verspielt, durchzogen von Kultur und wir haben uns sehr wohl gefühlt. Auch die Weinbegleitung aus ausschließlich kanarischen Weinen hat überzeugt. Große Empfehlung!


Hard Facts
Adresse: Yaiza · Lanzarote, C. Monaco, 2, 35580 Playa Blanca, Las Palmas, Spanien
Website: www.kamezi.restaurant/de
Preis für das Bernegal Tasting Menu: 102 €